Blog of the week: Interview mit dem Modeblog Dandydiary

Juni 5, 2010

 

In der Bar „Luzia“ in der Berliner Oranienstraße ist es abends überfüllt; Leute drängen sich an den Tischen, während ein als Frau gedresster Kellner einem einen Drink bringt – Kreuzberg. Am Tag ist es hier ruhiger. An einem Tisch sitzt David Roth von dem erfolgreichen deutschen Männermode-Blog Dandydiary mit einem jungen, attraktiven Mädchen – seiner Schwester.

Dandydiary: Look du Jour - 5

Quelle: Dandydiary // Foto: Kaja Smith

Fashionfreax: Hi, wie geht es dir?
Dandydiary: Danke gut und selbst?

Lange nicht gesehen, wie sieht dein Leben zur Zeit aus?
Ich fange ab Ende Juli bei Berlin Fashion TV an.
Eine recht junge Internetplattform. Ich möchte Erfahrungen sammeln und weiter in die Modebranche reinkommen.

Du musst noch irgendwo reinkommen?
Nicht bei Modeschauen. Das ist in Berlin sowieso kein Ding. Aber um einfach weiter in der Modebranche drin zu bleiben, Leute kennen zu lernen.
Über Dandydiary wurde ich noch nicht zu Schauen eingeladen. Zur letzten Fashionweek musste ich selbst die Designer oder Agenturen anschreiben und erklären, dass ich freier Journalist bin und auch schon Veröffentlichungen habe.

Allerdings war Dandydiary zur vergangenen Fashion Week auch noch nicht so bekannt, wie es jetzt ist.
Es kann sein, dass die Agenturen mich jetzt anschreiben. Aber in Berlin ist es, wie gesagt, kein Problem irgendwo reinzukommen.

Dandydiary: Look du Jour - 16

Quelle: Dandydiary // Foto: Kaja Smith

Du warst sehr lange Zeit weder bei StudiVZ noch bei Facebook oder sonst irgendwo im Netz vertreten. Wie kamst du darauf, einen Blog zu machen?
Ich habe vor zwei Jahren nach guten Männermode-Blogs bei Google gesucht und unter den ersten 20 Einträgen schon zwei Gay Porn Seiten gefunden. Damals dachte ich mir: hier ist ein Missstand. Diesen Missstand wollte ich beheben und habe Dandydiary gegründet.

Hat sich dein Leben durch den Blog geändert?
(überlegt) Ich spüre natürlich immer die Pflicht, etwas zu posten. Insofern hat sich etwas geändert. Ich poste 2-3 mal die Woche.

Wurdest du schon mal auf der Straße erkannt?
Ja, schon häufiger.

Bist du von dem Erfolg überrascht?
Nein (lacht). Ob ich wirklich überrascht bin (überlegt), nein. Das klingt jetzt arrogant,
aber es ging Stück für Stück, somit war es keine Überraschung sondern eine Entwicklung.

Auf dem ehemalige Blog der AMD Berlin gab einmal ein legendäres Bild, auf dem man sieht, wie du dein Geschäft auf einem Pali-Tuch verrichtest.
Auf Dandydiary lässt du dich scheinbar anurinieren…

…Jaja, viele Fragen mich, ob es echt ist…

…Das wollte ich dich jetzt nicht fragen…
Würdest du dich anpinkeln lassen?
Ich würde das nicht machen. Es war Photoshop.

Was ich fragen wollte war: Warum machst du solche Bilder?
Ich polarisiere damit. Es sind Hingucker, die Leute fragen danach.

——

In einem Portrait betitelte Ihn und seinen Modeblog Dandydiary die Welt Kompakt als „Entfant Terrible der Modeblogger“. Optisch ist David ein Exentriker, menschlich ist er hingegen sehr umgänglich und zuvorkommend. Mit seinem Modeblog Dadydiary wurde er in kürzester Zeit zu einem der bekanntesten Modeblogger in Deutschland – besonders wenn es um Männermde geht. An seiner alten Uni, der AMD Berlin, war David von Mädchen der jüngeren Jahrgänge – ja, das kann man sagen – umschwärmt. Seine Erscheinung trug ihr übriges dazu bei.

——

Du hast mir auf einer Homeparty einmal erzählt, dass du Trend-Scout werden möchtest. Was ist mit der Idee passiert?
Zwischenzeitlich habe ich das überlegt. Das faszinierende an der Mode für mich ist, dass es immer weiter geht. Nichts ist unmöglich, man strebt immer nach Neuen; sucht nach neuen Dingen. Das ist wahrscheinlich der Grund, weshalb ich tagtäglich daran denke. Deshalb dachte ich daran Trend-Scout zu werden. Eines der vielen Luftschlösser, die ich mir gebaut habe. Ich mache jetzt so etwas Ähnliches bei Dandydiary. Ich überlege: was sieht gut aus? Was könnte das Neue Ding sein? Und poste es dann.

Dandydiary: Look du Jour - 13

Quelle: Dandydiary // Foto: Kaja Smith

Was ist das neue Ding, deiner Meinung nach?
Was ist für dich das Aktuelle? Dann kann ich dir sagen, was danach kommt.

Das Aktuelle? Ich hoffe, dass die 90er Jahre á la Donna Karen, Jil Sander oder Calvin Klein mit auffälligen Labels und etwas Glamour zurückkommen.
Prinzipiell kann man sagen, dass man nicht schlecht damit fährt Vieles aus den 90er, egal ob bei Männern oder Frauen, neu zu interpretieren. Ob es die frühen 90er sind mit Dr Martens, die in Berlin auch immer größer werden, oder bauchfrei Tops bei Mädchen. Ich glaube auch an den Label-Print an sich. Die 90er Jahre werden wieder mehr Einfluss bekommen.

Was ist Mode für dich?
Ab dem Zeitpunkt, an dem man sich mit dem, was man trägt, auseinander setzt, ist es Mode. Ob gut oder schlecht sei dahin gestellt.

Was ist für dich gut, was ist schlecht?
Was ich auch auf meinem Blog kritisiert habe: irgendwelche Styler-Jungs mit V-Necks und Jutebeute über der Schulter, das finde ich jetzt nicht mehr cool. Es ist nicht mehr zeitgemäß. Ich habe das früher auch getragen. Ich habe, glaube ich, alles getragen. Das sagt aber auch nicht, dass ich es nicht mehr kritisieren kann, wenn es nicht mehr cool ist.

Hast du einen Look, bei dem du dir denkst: „Oh, mein Gott. Wie kam ich nur auf die Schnapsidee?“
Mit 18 habe ich einen grausamen Vokuhila getragen. Die grässlichsten Dinge habe ich getragen und trotzdem finde ich es nicht schlecht, weil dahinter eine Entwicklung steckt. Natürlich schäme ich mich auch ein wenig, wenn ich die Bilder sehe. Aber Stagnation fände ich langweilig. Ich riskiere lieber, dass ein Versuch daneben geht.

Wenn alles modisch stets vorangehen soll, wie stehst du zu Vintage-Mode?
Vintage ist eine Sache, die ich immer wieder mit einbeziehe. Sie ist günstig, recht individuell und deswegen kann man mit Vintage-Mode auch sehr kreativ sein. Allein wenn man bestimmte Bekleidungsstücke aus der Vergangenheit neu interpretiert, kann man einen sehr avantgardistischen Look erschaffen.

Hast du modische Vorbilder?
Ich halte Patrick Mohr allein von seinem persönlichen Stil für einen der coolsten Typen in Deutschland. Er ist einfach progressiv. Was er vor drei Jahren getragen hat, trage ich teilweise heute. Er hat einen sehr guten Style. Boy George finde ich auch gut.

Interview geführt von Jörg Langer

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , ,

2 Comments

  1. Mode Fan sagt:

    Sehr gewagte Mode würd ich mal sagen, das Interview ist allesdings ganz interessant!danke für den link!

  • Facebook
  • Twitter
  • Tumblr
  • Pinterest