August 7, 2009
Eine äußerst interessante Reportage über Adidas und Puma, die ich während der WM 2006 im Fernsehen gesehen habe, kam mir vor kurzem wieder in den Sinn. Das Duell der beiden herzogenauracher Bruderfirmen ist eine nun 80 Jahre währende Geschichte, wie sie nur vom Leben selbst geschrieben werden kann.
Die beiden Brüder Adolf, genannt Adi und Rudolph Dassler konkurrieren bereits als Kinder auf sportlicher Basis, als Adi 1920 seinen ersten Turnschuh entwickelt, nimmt die Geschichte ihren Lauf. Rudolph übernimmt den kaufmännischen Teil der Firma, Adi tüftelt weiter an seinen Entwicklungen. Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kommen, erschließt sich ein riesiger neuer Markt, denn der Sport wird während dieser Zeit extrem gefördert. Auch die olympischen Spiele sind eine gute Triebfeder für den Erfolg der Sportschuhe, besonders da der Spitzensportler Jesse Owens mit den Schuhen der Gebrüder Dassler (mit Spikes) Goldmedaillen gewinnt. Allerdings: der schöne Schein trügt. Streitigkeiten in der Familie trüben die Erfolgsstimmung und auch der Krieg geht nicht spurlos an Herzogenaurach vorbei.Die Brüder, gefördert und gestützt durch die Nazis, werden nach Kriegsende von den Amerikanern verhört und misstrauen und beschuldigen sich gegenseitig immer mehr.
Es geht um Geld. Die Trennung der Fabrik ist unumgänglich, der Bruch endgültig. Die Belegschaft darf wählen, bei welchem Bruder sie arbeiten wollen, die Fabrik wird mittig durch eine weiße Linie getrennt. Doch der Keil macht ausserhalb der Fabriktore nicht Halt. Die Bevölkerung der fränkischen Kleinstadt wird in zwei Lager gespalten. Puma und Adidas, so heißen nun die beiden Firmen, haben getrennte Fussballclubs, getrennte Stammtische, die Stadt wird zur “Stadt des gesenkten Blickes”, man schaut zuallererst auf die Schuhe seines Gegenüber.
Als 1954 das Wunder von Bern mit Adidas-schuhen geschieht, zieht Adi weit an Puma vorbei. Angst vor Betriebsspionage, Kampf um Sportler und Imageträger, die Lage spitzt sich zu bis keine Absprachen mehr möglich sind. Die Söhne der Beiden Dasslerfamilien, Armin und Horst, führen den Konkurrenzkampf in der zweiten Generation weiter. Hat Puma Boris Becker unter Vertrag, so zieht Adidas mit Steffi Graf nach.
Tragikkomischer Gipfel des Zwists: Der Wechsel Lothar Matthäus’ zum FC BAyern. Die Familie der Sportlers aus Herzogenaurach ist komplett bei Puma angestellt, der Vater dort sogar Haumeister; die Bayern allerdings sind bei Adidas unter Vertrag. Für den Fall, dass Puma dem Vater nun kündigt, garantiert Adidas in Matthäus’ Vertrag, den Vater bei sich anzustellen.
Mittlerweile ist auch die zweite Dassler-Generation verschwunden und beide Häuser sind in den Händen von Großkonzernen, gekämpft wird nicht mehr auf privatem Level, sondern rein auf globalem, monetärem.
Natürlich haben sich beide Marken längst von Sportartikelherstellern und Fußballausstattern zu Lifestylebrands gewandelt. In den 90ern stark eingestaubt, verjüngen beide Marken ihre Namen mit Retro-chic und sind damit sehr erfolgreich. Es folgten Kooperationen mit verscheidenen Designern: Adidas mit Yohji Yamamoto für Y3, Stella Mc Cartney, Missy Elliott etc. Puma mit Alexander McQueen, Yosuhiro Mihala.
Wahrscheinlich war es genau diese Konkurrenz, die die beiden Marken dorthin gebracht hat, wo sie heute stehen.
Hier könnt ihr abstimmen: wer ist die bessere, stylishere oder originellere Marke?
Schlagwörter: Adidas, Alexander McQueen, Boris Becker, dassler, FC Bayern, herzogenaurach, Lothar Matthäus, Michalski, Mihala, Missy elliott, puma, Stella Mc Cartney, Y3, Yohji Yamamoto
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